Klára Hosnedlová zeigt „Echo“ in der White Cube, eine umfassende Installation über Zeit, Architektur und lebende Materie
Die Ausstellung in der White Cube in London verwandelt Stickerei, Skulptur und Performance in eine archäologische Umgebung der Zukunft.
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Text von Caíque Nucci
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Zwischen metallischen Strukturen, monumentalen Wandteppichen und organisch wachsenden Formen baut die tschechische Künstlerin Klára Hosnedlová in „Echo“, ihrer Ausstellung in der White Cube Bermondsey, eine Gesamtumgebung, welche die Zeit als plastisches Material untersucht.
1990 geboren und Teil der ersten postkommunistischen Generation in Tschechien, entwickelt Hosnedlová eine Praxis, die Architektur, Skulptur, Stickerei und Performance in ortsbezogenen Installationen verbindet. Ihre Arbeit geht von der Recherche zu modernen Utopien in Mitteleuropa und deren heutigem Nachhall aus und verbindet Bezüge zum Brutalismus, zur Science-Fiction und zu den handwerklichen Überlieferungen der Region.
In „Echo“, zu sehen bis zum 29. März 2026, verwandelt sich der Ausstellungsraum in eine Art archäologische Grabung der Zukunft. Industrielle Strukturen und Plattformen aus Metall werden von Reliefs aus Sandstein, hyperrealistischen Stickereien und organischen Massen eingenommen, die mit Myzel und Reishi-Pilzen gezogen wurden. Die Landschaft deutet ein postnatürliches Szenario an, in dem menschliche Überreste mit laufenden biologischen Prozessen zusammenleben.

Im Zentrum der Praxis von Hosnedlová steht die Handstickerei, entwickelt aus Fotografien, die von der Künstlerin selbst stammen. Vor jeder Ausstellung inszeniert sie private Performances innerhalb der Strukturen, die sie baut. Diese Aufnahmen werden zur Grundlage von Stickbildern mit Seiden- oder Baumwollfaden, über Monate hinweg ausgeführt.
Die entstehenden Bilder zeigen Fragmente von Körpern und Gesten, in der Zeit angehalten: Hände, die ein brennendes Streichholz halten, Finger, die Oberflächen mit Kohle markieren, Münder, die mit Zahnschmuck geziert sind. Die Geste, oft mit ersten Techniken wie Feuer oder Zeichnung verbunden, erscheint als Werkzeug der Erinnerung und der Weitergabe.
Die Stickerei, überliefert dem Feld des Handwerks und des Häuslichen zugeordnet, wird in einen monumentalen Maßstab verschoben und in eine architektonische Szenografie eingefügt. Damit spannt Hosnedlová die Grenzen zwischen Kunst, Handwerk und räumlicher Konstruktion und behandelt den Faden als Mittel historischer Einschreibung.

An der Akademie der bildenden Künste in Prag ausgebildet, hat die Künstlerin eine beständige Recherche zur modernistischen und brutalistischen Architektur Mitteleuropas entwickelt. In ihrer Arbeit werden Bauten als künftige archäologische Spuren verstanden, als Strukturen, die kommenden Generationen Zeichen gemeinsamer Ideologien und Wünsche überliefern werden.
In „Echo“ nimmt diese Logik in erhöhten Plattformen, Wänden aus Metall und Skulpturen von versteinertem Anschein Gestalt an. Industrielle Elemente werden mit Naturfasern, Stein und mineralisiertem Harz verbunden. Der Gegensatz von Stahl und organischer Materie verstärkt das Gefühl einer Welt im Übergang, in der industrielle Vergangenheit und biologisches Wachstum ineinandergreifen.
Der Ausstellungsraum hört auf, ein neutraler Behälter zu sein, und beginnt, als Organismus zu wirken. Reste zurückgelassener Kostüme, verstreute Blätter und Spuren auf Oberflächen deuten den jüngsten Durchgang von Körpern an. Die menschliche Anwesenheit wird angedeutet, nie in den Mittelpunkt gestellt.

Der Gedanke des „Echos“ wirkt als bauendes Prinzip der Ausstellung. Elemente früherer Projekte kehren neu geordnet wieder und schaffen Fortdauer zwischen verschiedenen Schauen. Ideen werden nicht wiederholt, sondern verwandelt.
Indem sie lebende Pilze und biologische Wachstumsprozesse aufnimmt, führt Hosnedlová die Zeit als tätige Kraft ein. Die Arbeit ist nicht starr: Sie verändert sich, reift und reagiert auf die Umgebung. Der Klang, als Teil der Installation entwickelt, verstärkt diese Dimension und fügt dem physischen Raum zeitliche Schichten hinzu.
Statt eine lineare Erzählung vorzuschlagen, legt „Echo“ nahe, dass Zeit verdichtet, angesammelt und wieder aktiviert werden kann. Handwerkliche Vergangenheit, utopischer Modernismus und ein posthumaner Vorstellungsraum leben auf derselben Ebene zusammen.

Mit jüngeren Ausstellungen in Häusern wie der Kunsthalle Basel und dem Hamburger Bahnhof festigt Hosnedlová eine Praxis, welche die Installation als Gesamtumgebung behandelt. Jedes Projekt ist als geschlossenes System gedacht, in dem Skulptur, Bild und Performance voneinander abhängig wirken.
In „Echo“ zeigt die Künstlerin keine einzelnen Objekte, sondern ein Territorium. Die Installation wirkt als Spannungsfeld zwischen industrieller und lebender Materie, zwischen historischer Erinnerung und spekulativem Entwurf.
Das Ergebnis ist weder eine dystopische noch eine feiernde Sicht auf die Zukunft. Es ist ein aufgehobener Raum, in dem die besuchende Person durch eine Landschaft geht, die zugleich uralt und noch nicht gewesen scheint.
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